Gerettete Landschaften – 100 Jahre Bund Naturschutz

Rother Wanderführer: Gerettete Landschaften

In diesem Jahr feiert der BUND Naturschutz, der älteste und größte Umweltverband in Bayern, seinen hundersten Geburtstag. Dass dieser Naturschutzverein schon so alt ist, war mir gar nicht bewusst, auch wenn er für mich immer schon dazugehörte, seit ich in Bayern wohne. Zum hundertjährigen Jubiläum hat der Rother Verlag das Buch „Gerettete Landschaften“ herausgebracht. Es hat das Format der bekannten Rother Wanderführer, aber seine grüne Farbgebung sticht deutlich heraus.

Der Rother-Wanderführer Gerettete Landschaften ist zum 100jährigen Jubiläum des BUND Naturschutz erschienen

Der Rother-Wanderführer Gerettete Landschaften ist zum 100jährigen Jubiläum des BUND Naturschutz erschienen

Schon 1916, mitten im ersten Weltkrieg, gelang dem Bund Naturschutz ein erster großer Erfolg, der uns bis heute vor einer großen Naturverschandelung bewahrt hat. Damals sollte ein riesiges Löwenrelief in eine Felswand am Königssee gehauen werden.

Später kämpfte der BUND gegen ein Hotel bei St. Bartholomä und gegen die Erschließung des Watzmanns durch eine Seilbahn. Der Nationalpark Berchtesgaden könnte also ganz anders aussehen als wir ihn heute kennen. Man mag es sich kaum vorstellen.

St. Bartholomä am Königssee

St. Bartholomä am Königssee

Das gilt auch für viele andere Teile Bayerns. Ob die Weltenburger Enge mit dem berühmten Kloster Weltenburg auf dem Titelfoto des Buches, das Murnauer Moos, die Pupplinger Au vor München, die Gungoldinger Wacholderheide im Altmühltal oder der „Blumenberg“ Geigelstein im Chiemgau. All diese Landschaften wurden, mit Hilfe des Bund Naturschutz, vor der Zerstörung bewahrt.

Natürlich, wie wir in den ausführlichen einleitenden Kapiteln erfahren, ist es nicht der Bund Naturschutz allein, der diese Naturgebiete gerettet hat. Lokale Bürgerinitiativen, Wandervereine oder die von und mit der Natur arbeitenden Menschen wie Bauern, Fischer oder Imker sind genauso beteiligt. Dazu Wandervereine, die Naturfreunde und der Alpenverein sowie engagierte Einzelpersonen.

Sie alle stehen dabei meistens gegen ökonomische Interessen und eine Partei, die mit dem Bild der heilen, bayerischen Bilderbuchlandschaft wirbt wie keine andere. So sehr, dass man fast glauben muss, diese Partei hätte das ganze schöne Bayernland aufgebaut mit all den Bergen, Zwiebeltürmen, den glücklichen Kühen und dem Chiemsee.

Wir erfahren auch, wo der Kampf um die Erhaltung der Natur verloren ging. Beispielsweise im Altmühltal, von dem Teile dem Bau des Rhein-Main-Donaukanals geopfert wurden. Oder im Isental, nah von meinem Wohnort, durch das nun eine Autobahn gebaut werden wird, gegen die sich viele Bewohner jahrzehntelang gewehrt haben.

Die 40 Wanderungen zu bayerischen Naturschutzerfolgen durch die „geretteten Landschaften“ sind über ganz Bayern verteilt. Im Bereich rund um München geht es unter anderem ins Murnauer Moos, auf den Geigelstein, an den Ammersee oder in die Pupplinger Au, die auch durch Willy Michls Lied vom „Isarflimmern“ bekannt ist.

Am Blumenberg Geigelstein

Am Blumenberg Geigelstein

Dabei sind, wie die Autoren schreiben, nicht alle geretteten Landschaften jetzt so schön, dass man darin wandern möchte. Das Industriegebiet in Wackersdorf, wo einmal die atomare Wiederaufarbeitungsanlage gebaut werden sollte, eignet sich wenig zum Wandern. Auch die Strecke der geplanten Transrapidtrasse wurde als nicht wandertauglich angesehen. So kann man sicher sein, nicht nur durch gerettete, sondern auch durch landschaftliche ansprechende Landschaften zu wandern.

Das Buch ist somit ein Wanderführer, allerdings umfasst er ein deutlich größeres Gebiet als die Wanderführer, die man sonst vom Rother Verlag kennt. Es ist eine Dokumentation von Erfolgen des Bund Naturschutz in den letzten hundert Jahren. Aber es ist auch ein Buch, das alle würdigt, die sich für den Erhalt der Natur eingesetzt haben, ob letztlich erfolgreich oder nicht. Und es zeigt auch die Erfolge, die bürgerliches Engagement haben kann, auch gegen scheinbar übermächtige Interessengruppen.

Mir hat die Idee dieses Buches so gut gefallen, dass ich es mir gekauft habe. Die vorgestellten Wanderungen sind eher leicht bis mittel, wie viele ich tatsächlch davon erwandern werde, weiß ich noch nicht. Vieles liegt nicht in meinen typischen Wandergebieten. Aber man erfährt viel Hintergrundwissen, über den Bund Naturschutz und seine Geschichte, aber auch darüber, wie die jeweiligen Landschaften, die vorgestellt werden, gerettet wurden.

Es ist ein Buch, das eigentlich ein größeres Format verdient hätte. Fester Einband, große Fotos, dazu die Informationen, die sich im kleinen Büchlein etwas drängeln müssen. Macht das doch mal, Rother-Verlag. Ich würd’s kaufen!

Links:
Bund Naturschutz in Bayern
Aktionsgemeinschaft gegen die Isentalautobahn

Gerettete Landschaften – 40 Wanderungen zu bayerischen Naturschutzerfolgen

192 Seiten
Bergverlag Rother
ISBN: 978-3-7633-4438-3
14,90
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