Wanderung auf die Blaueishütte und zum Blaueisgletscher

Wanderung: Ramsau, Pfeiffenmacherbrücke – Schärtenalm – Blaueishütte – Blaueisgletscher und zurück

Eine leichte, aber lange Wanderung mit vielen Höhenmetern führt zu einem der wenigen Gletscher der deutschen Alpen, dem Blaueisgletscher. Großartige Ausblicke sind garantiert, dazu liegen die wunderbar urige Schärtenalm und die tolle Blaueishütte als Einkehrmöglichkeiten auf dem Weg. Genau 1000 Höhenmeter sind es von der Pfeiffenmacherbrücke in Ramsau zur Blaueishütte, da kann man sich eines der legendär großen Kuchenstücke gönnen. Noch ein paar Meter weiter oben stehen wir dann am Blaueisgletscher.

Auf dem Weg durch das Blaueiskar zum Blaueisgletscher

Auf dem Weg durch das Blaueiskar zum Blaueisgletscher

Wir starten direkt vom Bergsteigerdorf Ramsau aus, an der Pfeifenmacherbrücke. Hier ist eine Bushaltestelle und ein relativ großer Parkplatz, der nicht so schnell voll ist wie der Parkplatz an der Seeklause.

Dafür müssen wir etwa 30 Minuten länger gehen und gut 100 Höhenmeter mehr machen, so dass es bis zur Blaueishütte genau 1000 Höhenmeter werden. Der Aufstieg erfolgt bei dieser Variante größtenteils auf Wandersteigen, was schöner ist, als nur auf der breiten Forststraße bergauf zu wandern.

Auf dem Weg 485, der mal ein breiter Weg ist, weiter oben auch ein schöner, schmaler Steig

Auf dem Weg 485, der mal ein breiter Weg ist, weiter oben auch ein schöner, schmaler Steig

Vom Parkplatz aus geht es nach Westen, am „No GPS“-Schild vorbei, das auf Deutsch, Englisch und Chinesisch vor der Weiterfahrt warnt. Zunächst gehen wir auf der Forststraße auf demselben Weg wie zum Zauberwald.

Aber schon an der ersten Abzweigung trennen sich die Wege. Wir folgen der Forststraße nach links bergauf, bis nach rechts der Weg 485 zur Schärtenalm und Blaueishütte abzweigt.

Ein kurzer Blick aus dem Wald auf die Reiteralpe

Ein kurzer Blick aus dem Wald auf die Reiteralpe

Dieser Weg führt nun für eine gute Stunde durch den Wald, immer mit einer ordentlichen Steigung, aber fast ohne Aussicht. Nur einmal haben wir einen wirklich sehr schönen Blick auf die Ramsau und das Bergmassiv der Reiteralpe mit den Gipfeln Schottmahlhorn, Edelweißlahner, Hüfelewand und Eisberg im Hintergrund.

Ein kurzer Blick durhc den Wald auf den Hintersee

Ein kurzer Blick durhc den Wald auf den Hintersee

Und an einer Stelle lässt sich der Hintersee durch die Bäume mehr erahnen als wirklich sehen. Direkt danach führt der Weg schmal in einigen Serpentinen weiter durch den Wald, bis er auf die Forststraße trifft, über die die Wanderer vom Parkplatz Seeklause kommen.

Die letzten Meter auf dem Weg zur Schärtenalm

Die letzten Meter auf dem Weg zur Schärtenalm

Ein paar Serpentinen und eine gute Viertelstunde später verlassen wir den Wald und sehen auch schon die Schärtenalm. Hier warten üppige Brotzeitbretter und Kuchen, dazu natürlich Getränke aller Art auf den erschöpften Wanderer, der schon fast 700 Höhenmeter in den Beinen hat.

Panoramablick an der Schärtenalm

Panoramablick an der Schärtenalm

Es wäre ein Sakrileg, ohne Einkehr einfach vorbeizulaufen. Die urige Schärtenalm mit ihrer kleinen Terrasse liegt so schön am Berghang, dass man nach dem ganzen Waldgehatsche einfach Pause machen muss. Wieder haben wir einen großartigen, diesmal unverstellten, Blick über das gesamte Felsmassiv der Reiteralpe und weit über die Ramsau in das nördliche Berchtesgandener Land.

Der weitere Weg führt kurz bergauf, dann mehr oder weniger auf gleicher Höhe bis zu einer scharfen Linkskurve. Rechts vom breiten Fahrweg, der nun auch mit einem Geländer gesichert ist, fällt ein Graben tief ab, links laufen wir an einer senkrechten Felswand entlang. Jetzt haben wir auch den ersten Blick auf das Hochkaltermassiv, den Blaueisgletscher und die Blaueisspitze.

Ein erster Blick zum Hochkalter-Massiv und Richtung Blaueis-Gletscher. Nur ein Baum verhindert noch den direkten Gletscherblick

Ein erster Blick zum Hochkalter-Massiv und Richtung Blaueis-Gletscher. Nur ein Baum verhindert noch den direkten Gletscherblick

Unmittelbar vor dem Ende der Straße an der Materialseilbahn zweigt links der Steig hinauf zur Blaueishütte ab.

Der Abzweig zur Blaueishütte

Der Abzweig zur Blaueishütte

Nun wandern wir für die letzten etwa 200 Höhenmeter auf einem schönen Steig mit vielen Serpentinen und Stufen durch den lichten Wald unterhalb der senkrechten Felswand. Das ist auf jeden Fall der schönste Teil des Hüttenaufstiegs.

Auf dem Aufstiegsweg zur Blaueishütte – an der Felswand entlang

Auf dem Aufstiegsweg zur Blaueishütte – an der Felswand entlang

Direkt vor der Hütte geht es noch kurz durch die Latschenkiefern, die hier im unteren Blaueiskar zahlreich wachsen.

Auf den letzten Metern zur Blaueishütte. Im Hintergruind der Blaueisgletscher

Auf den letzten Metern zur Blaueishütte. Im Hintergruind der Blaueisgletscher

Die bei Wanderern und Kletterern gleichermaßen beliebte Blaueishütte ist etwa von Mitte Mai bis Mitte Oktober bewirtschaftet. Aufgrund der Lawinengefahr im Blaueiskar ist sie im Winter nicht geöffnet und besitzt auch keinen Winterraum. Die jetzige Blaueishütte wurde im Jahr 1962 eröffnet und im Jahr 2011/2012 saniert.

Die Blaueishütte

Die Blaueishütte

Die ursprüngliche, etwa 100 Meter höher gelegene Hütte, wurde im Jahr 1955 durch eine Lawine zerstört. Als provisorische Schutzhütte nach der Zerstörung der alten Hütte wurde die „Übergangshütte“ erreichtet. Sie steht heute unweit der aktuellen Hütte und bietet weitere Übernachtungsplätze.

Die Übergangshütte neben der Blaueishütte

Die Übergangshütte neben der Blaueishütte

Von der Terrasse der Blaueishütte hat man einen hervorragenden Blick auf die Felsgipfel des Hochkalter-Gebiets: Steinberg, Schärtenspitze, Blaueisspitze, Rotpalfen und den Hochkalter selbst. Zwischen Blaueisspitze, Kleinkalter und Hochkalter liegt der Blaueisgletscher.

Blick über das Blaueiskar zum Blaueisgletscher

Blick über das Blaueiskar zum Blaueisgletscher

Zur anderen Seite geht der Blick auf den etwa 900 Meter tiefer gelegenen Hintersee und auf das dahinter liegende Bergmassiv der Reiteralpe mit seinen zahlreichen Gipfeln.

Der Blick von der Hüttenterrasse auf den Hintersee und die Reiteralpe

Der Blick von der Hüttenterrasse auf den Hintersee und die Reiteralpe

Von der Blaueis-Hütte führt ein Wanderweg zum Gletscher. Über viele Felsstufen und etwas Schotter geht es noch etwa 200 Meter hinauf, bis wir den Gletscher erreichen. Links und rechts zweigen die Wege in Richtung Schärtenspitze und Hochkalter ab.

Am Abzweig zur Schärtenspitze und zum Hochkalter

Am Abzweig zur Schärtenspitze und zum Hochkalter

Auf dem Wegweiser an der Hütte ist eine Gehzeit von 50 Minuten zum Gletscher angegeben, wobei nicht ganz klar ist, auf welchen Zielpunkt sich diese Angabe bezieht. Irgendwann vor dem Gletscher verliert sich der Weg im Schotter und Geröll neben dem unteren Gletscherfeld.

Der Blaueis-Gletscher

Der Blaueis-Gletscher ist der am nördlichsten gelegene Gletscher der Alpen und einer von fünf Gletschern in Deutschland. Neben dem Watzmanngletscher ist er der zweite, deutlich kleinere, Gletscher im Berchtesgadener Land. Die andere drei Gletscher, der Nördliche Schneeferner, der Südliche Schneeferner und der Höllentalferner, liegen an der Zugspitze im Wettersteingebirge.

Mit bis zu 40 Grad Gefälle ist der Blaueisgletscher der steilste der deutschen Gletscher. Vom durch den Klimawandel verursachten Gletscherschwund ist er besonders betroffen. Im Jahr 1820 war der Blaueisgletscher etwa 25 Hektar groß, 1884 noch knappe 20 ha. Im Jahr 1953 wurden nur noch 13 ha gemessen, wobei auch Gletscherübungen der Wehrmacht in den dreißiger Jahren zum verstärkten Gletscherschwund geführt haben können. Seit den achtzigerJahren ist der untere Teil des Gletschers, die frühere Gletscherzunge, vom oberen Teil getrennt und somit zum Toteisfeld georden, da es keinen Eisnachschub von oben mehr gibt.

Inzwischen sind die beiden Eisfelder zusammen nur noch etwa fünf Hektar groß. Mit der Größe nimmt auch das Volumen ab. Von 1950 bis 2015 hat der Blaueisgletscher etwa 85% seines Volumens verloren. Bis zum Jahr 2050 wird er voraussichtlich, wie die Mehrzahl der deutschen Gletscher, vollkommen verschwunden sein.

Dieses untere Feld ist Toteis. Nachdem der Gletscher in zwei Felder zerfallen ist, bekommt dieses Feld keinen Eisnachschub mehr und wird in den nächsten Jahren weiter abschmelzen. Es ist eine wilde Gegend, ein Eindruck, der durch die Wolkendecke, die sich an den Berggipfeln festzuklammern scheint, verstärkt wird.

Beim Blick zurück zur Hütte und ins Berchtesgadener Land ist der Himmel leuchtend blau, mit weißen Haufenwolken.

Ein Blick das Blaueiskar hinunter nach Norden

Ein Blick das Blaueiskar hinunter nach Norden

Der Blick zum Gletscher erscheint mir, als würde ich ein Schwarzweiß-Foto betrachten. Graue, zwerklüftete Felswände, graues Geröll, mit kleinen und großen Felsblöcken durchsetzt, dazwischen das untere Schneefeld, auf dem auch viele Steine liegen. In mehreren Rinnen und Armen läuft das obere Gletscherfeld im Gröll aus. Darüber die verbliebene große, zusamenhängende Eisfläche, die sich weiter oben in den ebenso weißen Wolken verliert.

Auch wenn der Gletscher nicht mehr die Größe früherer Zeiten hat, und eine Abbruchkante und ein Gletschersee völlig fehlen, ist es ein beeindruckender Anblick. Zusammen mit den steilen, abweisenden Felswänden und der völlig fehlenden Vegetation ist das hier wirklich eine Hochgebirgslandschaft. Und das auf nur etwa 2000 Metern Höhe.

Ich habe dann oben noch etwas gewartet, ob sich die Wolkendecke doch noch verzieht und den Blick auf den Hochkalter-Gipfel freigibt, aber sie blieb dort wie festgetackert. Also ging’s dann auf dem Hinweg wieder zurück zur Blaueishütte und von dort, ebenfalls auf dem Hinweg, wieder zur Schärtenalm und weiter ins Tal nach Ramsau.

Eine schöne Wurzel auf dem Rückweg vom Gletscher zur Hütte. Im Hintergrund der Aufstiegsweg zum Hochkalter

Eine schöne Wurzel auf dem Rückweg vom Gletscher zur Hütte. Im Hintergrund der Aufstiegsweg zum Hochkalter

Die Wanderung von der Pfeifenmacherbrücke zum Blaueisgletscher ist mit über 1000 Höhenmetern und fast vier Stunden angegebener Gehzeit schon recht lang. Im unteren Teil ist der Weg zwar etwas länger als der vom Parkplatz Seeklause, führt aber über etwas schmalere Steige, was natürlich schön ist, auch wenn man im Wald keine Aussicht hat. Die gibt es dann ab der Schärtenalm umso mehr. Und im Blaueiskar wird die hochalpine Berglandschaft dann richtig atemberaubend. Dazu die Schärtenalm und die Blaueishütte als Einkehr, was will man mehr?

Blick über die Schärtenalm auf die Ramsau

Blick über die Schärtenalm auf die Ramsau

Dauer und Schwierigkeit:
Die Wege von der Pfeifenmacherbrücke sind mit zweieinhalb Stunden zur Schärtenalm und dreieinhalb Stunden zur Blaueishütte angegeben. Gehzeiten, die man durchaus unterbieten kann. Beide Teilstücke sind „blaue“, also leichte Wanderwege. Teils breite Fahrwege, teilweise get es auch etwas felsiger und über Wurzeln und Stufen. Fünfzig Minuten sind es von der Blaueishütte zum Gletscher, je nachdem, wie hoch man genau geht. Dieser Weg ist „rot“, also mittelschwer, mit vielen, schönen Felsstufen. Der Rückweg auf demselben Weg: Von der Blaueishütte zur Schärtenalm etwa 45 Minuten, etwa eineinviertel Stunden zurück zur Pfeifenmacherbrücke. Etwas Kondition sollte man aufgrund der vielen Höhenmeter mitbringen, aber technisch sind die Wege nicht schwer zu gehen und nirgendwo ausgesetzt.

Höhenangaben:
Parkplatz Pfeifenmacherbrücke: 680 Meter
(Parkplatz Seeklause: 800 Meter)
Schärtenalm: 1359 Meter
Blaueishütte: 1680 Meter
Blaueisgletscher: ca. 1950 Meter

Essen und Trinken:
Auf der Schärtenalm bekommt Ihr, neben Getränken natürlich, Brotzeiten und Kuchen. Die Blaueishütte ist für ihre große Kuchenauswahl und die großen Kuchenstücke bekannt. Dazu gibt es diverse Hauptgerichte, wie Ihr sie von guten Hütten kennt. Hungrig geht dort niemand weg.

Wo muss ich besonders aufpassen:
Die Wanderung ist technisch leicht, bis zur Blaueishütte sind alle Wege blau (leicht) markiert. Erst auf dem Weg vond er Materialseilbahn zur Hütet und vor allem vonder Hütte zum Gletscher ist grundlegende Trittsicherheit vorteilhaft. Absturzgefahr besteht kaum, auf dem letzten Stück vor der Materialseilbahn ist der breite Fahrweg mit einem Geländer gesichert.

Wandern mit Hund:
Ich habe die Wanderung ohne Hund gemacht, aber einige Wanderer mit Hund getroffen. Auch für Hunde ist die Wanderung gut geeignet, allerdings gibt es keine Trinkmöglichkeiten außerhalb von Alm und Hütte. Also genug Wasser mitnehmen. Das Geländer Auf dem Weg zwischen Schärtenalm und Blaueishütte ist zwar massiv, aber nicht hundesicher. Im unteren Bereich führt der Weg an einer abgezäunten Schafweide mit Herdenschutzhunden vorbei, im Bereich der Schärtenalm gibt es Weidekühe.

Wie komme ich hin?
Mit Bus und Bahn: Von München fährt man mit der Bahn etwa zweieinhalb Stunden bis Berchtesgaden, mit Umstieg in Freilassing. Von Berchtesgaden aus fährt der Bus 846 in Richtung Ramsau/Hintersee zur Pfeiofenmacherbrücke.
Mit dem Auto: Von München auf der A8 über die Grenze und mautpflichtig auf der Tauernautobahn (A10) bis Grödig fahren. Von Grödig weiter über die B305 nach Berchtesgaden und im Kreisverkehr weiter nach Ramsau fahren, am Ortsende befindet sich links der gebührenpflichtige Parkplatz Pfeifenmacherbrücke.
Die mautfreie Alternative: Auf der A8 nur bis Piding, dann über die B20 weiter Richtung Berchtesgaden. Am Kreisverkehr nach Ramsau abbiegen und weiter nach Ramsau und dort zum Parkplatz Pfeifenmacherbrücke fahren.

Startpunkt:
Google Maps: 47.6071791,12.887288
Openstreetmap: 47.60712,12.88322
What3Words: ///halben.feine.lebte

Links:
Homepage der Blaueishütte: www.blaueishuette.de
Bei berchtesgaden.de findet Ihr Informationen zur Schärtenalm, zur Blaueishütte und zum Blaueisgletscher.
Artikel vom Bayerischen Rundfunk und Deutschlandfunkkultur zum Klimawandel und dem dadurch verursachten Gletscherschwund

Buchtipps und Wanderkarte:

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