Auf dem Schmugglerweg von Ettenhausen zum Klobenstein

Wanderung: Geigelstein-Sessellift Ettenhausen – Schmugglerweg nach Kössen in Tirol, Entenlochklamm, Klobenstein mit Wallfahrtsstätte Maria Klobenstein und Gasthaus und zurück

Wieder einmal eine kleine, feine Wanderung für die ganze Familie. Diesmal wandern wir von Ettenhausen zum Klobenstein. Dabei passieren wir die Grenze zwischen Bayern und Tirol, gehen über eine Hängebrücke, liegen am Strand und haben als Zielpunkte ein Gasthaus, eine Kirche und eine Kapelle sowie den wundersamen Klobenstein. Dass der Weg auch noch „Schmugglerweg“ heißt, macht die Sache für Kinder natürlich nur noch spannender.

Unser heutiges Ziel. Der Klobenstein mit samt der Kirche und der Kapelle

Unser heutiges Ziel. Der Klobenstein mit samt der Kirche und der Kapelle

Am Parkplatz der Talstation der Geigelsteinbahn beginnt unsere Wanderung. Hier ist es noch recht ruhig, denn die Geigelsteinbahn fährt nicht mehr und die Wuhrstein-Bar öffnet erst abends. Wir folgen nun immer der Beschilderung „Klobenstein“ oder „Schmugglerweg“.

Direkt an der Geigelsteinbahn beginnt unsere Wanderung

Direkt an der Geigelsteinbahn beginnt unsere Wanderung

Gleich am Beginn der Tour die erste Überraschung: Der Weg führt nicht in den Wald, sondern erstmal leicht bergab in Richtung der Blumenwiesen. Nach wenigen Metern folgen wir dem nächsten Wegweiser nach rechts, der uns auf einen schmalen Weg führt.

Eine große Blumenwiese am Beginn der Wanderung

Eine große Blumenwiese am Beginn der Wanderung

Jetzt gehen wir am Wandrand entlang, kurz danach zwischen zwei blühenden Blumenwiesen hindurch. Nach Schmugglerweg sieht das hier noch nicht aus, eher nach gepflegter Voralpenlandschaft. Im Hintergrund sehen wir die Hochplatte und die Kampenwand aus ungewohnter Perspektive. Meistens sieht man ja auf die Nordseite, vom Chiemsee aus oder auf der A8 aus dem Autofenster heraus.

Mitten im Wald lassen sich Schmetterlinge beobachten

Mitten im Wald lassen sich Schmetterlinge beobachten

Dann geht es wieder nach rechts und wir wandern auf einem Fahrweg in den Wald hinein. Üblicherweise sind Fahrwege im Wald ja nicht so aufregend, aber dieser Weg ist wirklich ganz schön. Wir passieren zwei Brücken, unter denen Wildbäche rauschen, sehen ungewöhnlich viele Schmetterlinge, aber auch einen wilden Drachenkopf, direkt am Wegesrand. Eigentlich ist es nur ein abgebrochener Ast, aber aus dem richtigen Winkel betrachtet, sieht er richtig gefährlich aus.

Vorsicht: Im Wald wohnen auch Drachen! Einen haben wir gesehen.

Vorsicht: Im Wald wohnen auch Drachen! Einen haben wir gesehen.

Kurz nachdem wir nach knapp einer Stunde sehr gemütlicher Wanderung zum ersten Mal einen Blick auf die noch weit entfernte Kirche haben, endet der Fahrweg. Direkt davor führt der Wanderweg nun plötzlich nach rechts steil und schmal in den Wald hinein. Jetzt haben wir zum ersten Mal eine richtige Steigung, nachdem es vorher fast unmerklich bergauf ging.

Jetzt führt der Weg aber in Serpentinen und mit einigen Haken durch eine wilde Waldlandschaft. Das sieht schon deutlich nach einem „geheimen“ Schmugglerpfad aus!

Dann sind wir auch schon an der Grenze zu Tirol. Laut Grenzschild ist zwischen 6 und 21 Uhr der Grenzübertritt erlaubt. Glück gehabt, wir haben halb 11 Uhr vormittags. Aber Grenzer gibt es hier schon lange nicht mehr. Dafür eine Überraschung: Das Schild zeigt auf beiden Seiten „Republik Österreich“. Müsste nicht auf einer Seite ein „Deutschland“-Schild stehen? Oder gar ein „Bayern“-Schild? Verwirrend.

Ein Grenzschild zwischen Österreich und Österreich?

Ein Grenzschild zwischen Österreich und Österreich?

Direkt hinter dem Schild erreichen wir den höchsten Punkt der Wanderung. Hier stehen zwei Bänke und eine große Infotafel zum „Grenzenlos-Wanderweg Bayern-Tirol“, auf dem wir uns befinden. Auf dem Schild wird die Klobenstein-Sage erzählt. Dazu gibt es Informationen zu Geologie und Biologie der Umgebung der Tiroler Ache, zu der wir gleich absteigen werden. Von diesem Punkt aus haben wir auch einen guten Blick auf die Maria-Hilf-Kirche und den Klobenstein.

Aber jetzt geht es erstmal auf dem schmalen Pfad bergab, der über gewaltige Wurzeln und einige Treppenstufen durch den Wald bergab führt. An einem Stempelpunkt (der gar nicht stempelt, sondern stanzt) zweigt der Weg zur Hängebrücke und dem Klobenstein ab. Jetzt wird es für kurze Zeit richtig steil. In einigen Serpentinen geht es schnell bergab. Tief unter uns sehen wir die Tiroler Ache, aber schon nach kurzer Zeit sind wir schon auf Höhe der Hängebrücke.

Die Hängebrücke über die Tiroler Ache

Die Hängebrücke über die Tiroler Ache

Die Brücke überquert die Tiroler Ache an der Entenlochklamm. Diese Klamm ist aber nicht mit Klammen wie der Partnachklamm oder der Almbachklamm vergleichbar, sie ist weit und offen. Es ist also keine Klammwanderung, die wir heute machen.

Auch die Hängebrücke ist keine Urwald-Hängebrücke mit Holzbrettern an Balken. Sie wackelt zwar auch etwas, ist aber völlig problemlos zu überqueren. Und direkt hinter der Brücke ist die Wanderung dann auch schon fast zu Ende. Wir sind am Ufer der Tiroler Ache angekommen. Hier liegt nun eine große Kiesbank, auf der wir es uns bequem machen. Füße ins Wasser und Paddler und Rafter beobachten ist jetzt das Kontrastprogramm zum Wandern.

Am Kiesstrand an der Tiroler Ache

Am Kiesstrand an der Tiroler Ache

Dann gehen wir noch die wenigen Meter hoch zum Gasthaus Klobenstein und zu der Kombination aus Kapelle, dem Klobenstein und der Maria-Hilf-Wallfahrtskirche direkt dahinter. Und was ist nun der Klobenstein? Es ist ein wirklich großer Felsen, der in der Mitte gespalten ist. Der Spalt ist gerade so breit, dass man hindurchgehen kann. Auf diesem Weg gelangt man dann direkt zur Kirche.

Der Weg führt durch den gespaltenen Fels, den Klobenstein

Der Weg führt durch den gespaltenen Fels, den Klobenstein

Der Sage nach drohte an dieser Stelle ein herabstürzender Felsen eine alte Frau zu erschlagen. Als sie um Hilfe betete, teilte sich der Fels und blieb links und rechts neben der Frau auf der Erde liegen. „Klobenstein“ bedeutet „Gespaltener Stein“. Dieser besondere Felsen wurde zum Wallfahrtsort, so dass hier eine Kirche und später auch eine Kapelle errichtet wurden.

Die Kapelle direkt vor dem Klobenstein

Die Kapelle direkt vor dem Klobenstein

Und da Leib und Seele zusammengehören, gibt es natürlich auch ein Gasthaus direkt daneben. Im gemütlichen Gastgarten sitzt man an kleinen, wackeligen Tischchen oder am massiven Holztischen und kann neben einer Brotzeit auch Flußkrebse, Öko-Ente oder Fleisch von Lämmern bekommen, die auf Salzwiesen an der Nordseeküste gelebt haben.

Das Gasthaus Klobenstein mit gemütlichem Gastgarten

Das Gasthaus Klobenstein mit gemütlichem Gastgarten

Nach einigen Stunden Entspannung und Gemütlichkeit geht es dann auf dem Hinweg wieder zurück zum Ausgangspunkt. Wer mit wanderfaulen Zeitgenossen unterwegs ist, muss nur auf Eines aufpassen: Oberhalb der Kirche führt die Straße zwischen Marquartstein und Kössen entlang. Es kann also die Frage aufkommen, warum man soweit laufen musste, wenn man doch auch bequem mit dem Auto hätte hinfahren können. Aber darum geht es uns ja nicht. Und wir hätten einiges verpasst!

Beim Hochwasser im Juni 2013 ist auch die Hängebrücke über die Tiroler Ache beschädigt worden. Das Youtube-Video unten zeigt, wie die Brücke überflutet wurde, der direkte Vergleich zu unseren Fotos ist erschreckend. Da bekommt man eine Ahnung, was den Bewohnern der Gegend widerfahren ist. Mittlerweile ist die Brücke wieder instand gesetzt worden und ist wieder nutzbar.

Dauer und Schwierigkeit:
Auf dem Hinweg haben wir etwa eineinhalb Stunden gebraucht, auf dem Rückweg etwas mehr als eine Stunde. In eher gemütlichem Tempo. Der Weg ist sehr gut und leicht zu gehen und hat nur etwa 200 Höhenmeter. Steil ist es nur unmittelbar vor bzw. hinter der Hängebrücke.

Höhenangaben:
Talstation Geigelsteinbahn / Wuhrstein-Bar: 570 Meter
Grenze Deutschland/Österreich: ca. 800 Meter
Entenlochklamm / Klobenstein: ca. 610 Meter

Essen und Trinken:
Die Wuhrstein-Bar am Beginn der Wanderung öffnet erst abends. Am Zielpunkt der Wanderung liegt das Gasthaus Klobenstein, in dem man Brotzeit und große Speisen bekommt. Und Getränke natürlich auch.

Die Hängebrücke über die Tiroler Ache an der Entenlochklamm

Die Hängebrücke über die Tiroler Ache an der Entenlochklamm

Wo muss ich besonders aufpassen?
Diese Wanderung ist wirklich leicht, auch für Kinder. Wer auf dem Weg bleiben kann, sollte keine Probleme bekommen. Am Strand sollte man Kinder im Auge behalten. Die Tiroler Ache ist eiskalt und fließt schnell.

Wie komme ich hin?
Mit dem Zug: Von München Hauptbahnhof kann man über Prien mit der Bahn und dem Bus bis Ettenhausen kommen. Das dauert allerdings etwa drei Stunden und es gibt nur wenige Verbindungen. Der ÖPNV ist also diesmal wohl keine echte Alternative.

Mit dem Auto: Von München aus auf der A8 bis zur Ausfahrt 106 Bernau. Dann über Bernau, Grassau, Marquartstein und Schleching nach Ettenhausen. Dort zum Parkplatz der Geigelsteinbahn fahren. Der Platz kostet 2 Euro Parkgebühr pro Tag.

Links:
Wuhrstein-Bar
Gasthaus Klobenstein
Sehr umfangreiche Informationen zur Wallfahrtskirche Maria Klobenstein und Sagen und Kultorten findet Ihr bei wandernd.de: Maria Klobenstein bei Kössen: Kraftort und Religionsgeschichte in nuce

Buchtipps und Wanderkarte:

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13 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Seit dem Hochwasser im Frühling/Sommer 2013 ist die Brücke gesperrt, weil im mittleren Bereich fast ganz kaputt.

    Danke im übrigen für die tolle Tourenbeschreibung!

  2. Hey, im September werde ich dort eine Exkursion von der Uni aus hinmachen. Wir müssen selber die Exkursion leiten, dafür müssten wir wissen, was auf den beiden Info-Tafeln, die am Weg stehen, draufsteht. Habt ihr zufälligerweise Fotos davon?
    Liebe Grüße!!

  3. Ist die Brücke nun wieder begehbar? Oder kommt man da auch anders rüber?

    Stf

  4. Nun gut. Der Klobenstein den ich meine liegt an der Tiroler Aachen, in Österreich denke ich.
    Wusste gar nicht dass es an der Traun auch einen gibt – ist aber definitiv ein anderer!

    Ich laufe morgen mal hin und gebe Bescheid 🙂

    Stf

  5. Wir haben gestern den ersten Versuch gemacht Deiner Route zu folgen, sind aber gescheitert 🙂
    Der neue (!?) Schmugglerweg ist nun ausgeschildert und geht von dem Fahrweg links weg – geht man den Fahrweg wie von Dir beschrieben bis zum Ende, dann landet man mitten im Wald (aber ebenfalls sehr schön dort) – und muss umkehren. Machen Montag noch nen Anlauf…

    Stf

  6. Pingback: #MeineHeimat, #MeineZeitung - Judith Sterl, Weiden i.d.OPf.

  7. Hey,
    eine wirklich sehr schöne Wanderung. Wie ich gelesen habe wird der Weg 2018 neu gestaltet und soll näher an der Tiroler Ache verlaufen. Ich bin gespannt darauf.

  8. Hallo Oliver,
    danke für den Hinweis! Das wird sicher ein schöner Weg, wenn er an der Ache verläuft. Wenn der bisherige Weg noch erhalten bleibt, wird das sicher eine interessante Rundtour.
    Viele Grüße
    Uli

  9. Pingback: Maria Klobenstein bei Kössen: Kraftort und Religionsgeschichte in nuce - wandernd

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