In orbit: Begehbare Kunst mit Höhenluft

„in orbit“ von Tomás Saraceno im Museum K21 in Düsseldorf

Festen Boden verlassen, Ausgesetztheit spüren, die Furcht vor dem Abgrund erleben und überwinden. Über den Dingen laufen, das Gefühl haben, fast zu schweben. Und Teil eines Kunstwerks werden. Das kann man im Museum K21 mitten in Düsseldorf. Dort befindet sich die begebare Installation „in orbit“ von Tomás Saraceno. Selten hat man die Möglichkeit, ein Kunstwerk so unmittelbar zu erleben und zu spüren, eine ganz besondere Erfahrung.

In orbit von Tomás Saraceno - ein faszinierendes Kunstwerk im K21 in Düsseldorf

In orbit von Tomás Saraceno – ein faszinierendes Kunstwerk im K21 in Düsseldorf

Ganz in der Nähe vom Rhein mit seiner Promenade, der Rheinkniebrücke, dem Landtag und Fernsehturm, liegt in einem kleinen Park das 1876 bis 1880 erbaute Ständehaus. Bis 1988 war es Sitz des nordrhein-westfälischen Landtags, bevor dieser in einen Neubau direkt am Rheinufer umzog. Nach dem Umbau des Ständehauses wurde im Jahr 2002 das Kunstmuseum K21 eröffnet, in dem moderne Kunst des 21. Jahrhunderts gezeigt wird.

Das Ständehaus, der ehemalige Landtag von Nordrhein-Westfalen, beherbergt nun das Museum K21

Das Ständehaus, der ehemalige Landtag von Nordrhein-Westfalen, beherbergt nun das Museum K21

Das weithin sichtbare äußere Zeichen der neuen Funktion des Ständehauses ist das große, gewölbte Glasdach, das das gesamte Gebäude überspannt. Unterhalb dieses Glasdaches, im vierten Obergeschoß, befindet sich die Installation „in orbit“ des aus Argentinien stammenden und in Berlin lebenden Künstlers Tomás Saraceno.

Die Installation unter dem Glaskuppeldach des Museums

Die Installation unter dem Glaskuppeldach des Museums

In orbit besteht aus Stahlnetzen, die in verschiedenen, ineinander übergehenden Ebenen unter der Glaskuppel gespannt sind. Zwischen den Netzen befinden sich große, luftgefüllte, Sphären, die wie überdimensionale Wasserbälle wirken. Eine dieser Sphären ist verspiegelt, die anderen sind transparent.

Bis zu zehn Besucher dürfen sich gleichzeitig auf dem Kunstwerk aufhalten und auf den Netzen laufen, sitzen oder liegen. Die Netze sind zwar recht straff gespannt, aber reagieren natürlich auf die Bewegungen der Besucher, die sich dann wieder auf die anderen Besucher übertragen. Die Kugel verteilen die Bewegungen wiederum auf die anderen Ebenen, so dass die gesamte Konstruktion immer in Bewegung ist.

Sehr schön ist es auf der Seite der Kunstsammlung NRW, zu der das K21 gehört, beschrieben: „Die Installation wirkt wie eine surreale Landschaft, ein Wolkenmeer oder wie der Kosmos mit seinen scheinbar schwerelos schwebenden Planeten.“

Eine Kugel ist verspiegelt, die anderen sind transparent

Eine Kugel ist verspiegelt, die anderen sind transparent

Schon bei meinem letzten Besuch in Düsseldorf wollte ich das Netz besuchen, jetzt ergab sich die Möglichkeit, es zusammen mit meinem Sohn auszuprobieren.

Der Besuch der Installation beginnt mit dem Anlegen eines Overalls und von Trekkingschuhen. Auch wenn man schon mit passendem Schuhwerk kommt, sollte man auf die bereitstehenden Schuhe wechseln, die Stahlnetze können den Schuhen arg zusetzen, wie ich an meinen Leihschuhen gesehen habe. Nach einer kurzen Einführung betritt unsere Zehnergruppe dann die Netzkonstruktion.

Die Stahlnetze mit den dazwischen liegenden Spähren

Die Stahlnetze mit den dazwischen liegenden Spähren

Zunächst gilt es, vom Einstieg am hier steilen Netz hinunterzuklettern, dann können wir die ersten aufrechten Schritte wagen. Zunächst ist es noch ganz einfach, denn wir befinden uns nur etwa anderthalb Meter über den Fußboden. Wir können uns also ganz auf die Schwingungen des Netzes einlassen.

Aber die etwa 2500 Quadratmeter große Installation befindet sich zur Hälfte auch über dem Atrium. Und dort wird es dann richtig interessant. Denn dort stehen wir auf plötzlich sehr filgran erscheinenden Stahlnetz in gut 25 Metern Höhe über dem schwarzen Boden des Eingangsbereiches. Die Museumsbesucher, die dort unten umhergehen, sehen sehr klein aus. Etwa so klein wie die Menschen, die wir wenige Minuten zuvor vom Erdgeschoß aus im Spinnennetz unter der Kuppel gesehen haben.

Soll man nur über dem nahen grünen Boden bleiben oder sich über den Abgrund trauen?

Soll man nur über dem nahen grünen Boden bleiben oder sich über den Abgrund trauen?

Es kostet schon etwas Überwindung, aus dem sicheren Bereich in das Netz über dem Abgrund zu gehen. Aber dann ist es doch ein besonderes Erlebnis. Anders als man ausgesetzte Stellen in den Bergen erlebt, auch anders als am Klettersteig. Es ist vielleicht ein wenig mit einem Hochseilgarten vergleichbar, aber doch auch wieder ganz anders. Man muss sich einfach darauf einlassen.

In orbit erinnert nicht zufällig an ein Spinnennetz. Tomás Saraceno hat die Installation drei Jahre lang zusammen mit Ingenieuren, Architekten und Biologen geplant und sich dabei von der Konstruktion von Spinnennetzen inspirieren lassen.

Eines der Spinnennetze von Tomás Saraceno

Eines der Spinnennetze von Tomás Saraceno

Diese findet man auch in einem Austellungsraum wieder. Im ansonsten schwarzen Raum sind zwei Würfel aus Metallstangen aufgehängt, in denen Spinnen umfangreiche Netze gespannt haben. Sehr faszinierend!

Im Museumseintritt von 10 Euro (2018) für Erwachsene ist der Besuch des „in Orbit“ enthalten. Das Mindestalter ist zwölf Jahre. Maximal zehn Personen gleichzeitig dürfen sich dort aufhalten, deshalb wird der Aufenthalt im Netz bei großem Andrang auf zehn Minuten beschränkt, was aber völlig ausreichend ist. Man darf von außen Fotos machen, aber aus Sicherheitsgründen nicht, solange man sich im Netz aufhält.

Wenn Ihr einmal in Düsseldorf seid, nutzt die Gelegenheit und besucht das Museum K21 und dieses ungewöhnliche Kunstwerk. Wenn Ihr nicht in Düsseldorf seid, fahrt hin! Es ist meine Heimatstadt und ein Besuch in der schönsten Stadt am Rhein lohnt sich immer.

Am Besten kommt Ihr öffentlich zum Museum K21. Am nahen U-Bahnhof Graf-Adolf-Platz halten viele U- und Straßenbahnlinien. Von dort aus sind es nur etwa 200 Meter bis zum Ständehaus.

Links:
In orbit auf der Homepage von Tomás Saraceno
Informationen zum Kunstwerk auf kunstsammlung.de
Auf Instagram findet Ihr Fotos unter dem Hashtag #k21inorbit
Artikel über In orbit bei kunstwelten-sabrinatesch.de
Das Ständehaus in Düsseldorf

Das Atrium des Museums K21

Das Atrium des Museums K21

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